Schäden durch Atomkraft

Das Billionen-Dollar-Desaster

Reaktorunfälle wie in Fukushima sind die sichtbaren Schäden der zivilen Nutzung der Atomkraft. Aber auch Fehlinvestitionen in Kraftwerke, die nie ans Netz gingen, summieren sich auf Hunderte Milliarden. WDR-Recherchen zeigen globale Kosten der friedlichen Nutzung der Atomenergie.

Von Jürgen Döschner, WDR-Wirtschaftsredaktion      Quelle: www.tagesschau.de

Tschernobyl und Fukushima sind die bislang größten, bekanntesten und teuersten Reaktor-Unfälle in der Geschichte der Atomkraft. Die beiden Atomkatastrophen haben zusammen Schäden in Höhe von mindestens 450 Milliarden US-Dollar verursacht. Doch es sind bei weitem nicht die einzigen Namen, die für eine gigantische Geld- und Wertevernichtung durch die friedliche Nutzung der Kernenergie stehen. Auch Wackersdorf, Kalkar, Zwentendorf in Österreich, das tschechische Temelin oder Kostroma in Russland und Hartsville, USA gehören in diese Reihe.

Es habe immer wieder Fehlinvestitionen gegeben, sagt Mycle Schneider, Atomexperte und Herausgeber des jährlichen “World Nuclear Status Report”. Er verweist auf Reaktorbaustellen, die nie fertiggestellt worden seien oder sogar fertiggestellt, aber nicht in Betrieb genommen worden seien.

Kosten von 150 Milliarden Dollar in Deutschland

Allein in Deutschland summieren sich nach Recherchen des WDR die atomaren Fehlinvestitionen und der Aufwand etwa zur Sanierung der Asse und des Uranabbaus in Wismut auf umgerechnet mehr als 150 Milliarden US-Dollar. Wohlgemerkt: Es geht nicht um die Kosten der Atomenergie als solcher, sondern allein um jene Summen, die ohne jeden Gegenwert für die Atomkraft ausgegeben wurden.

“Die Gründe dafür liegen unter anderem in dem hohen Risiko und dem immensen Kapitalbedarf dieser Technologie”, sagt Schneider. Aber auch wenn die meisten Atom-Ruinen aus den 70er- und 80er-Jahren stammen – für ihn geht es bei den gigantischen Fehlinvestitionen keineswegs um „Kinderkrankheiten“ oder „Lehrgeld“. “Lehrgeld bedeutet ja, dass man daraus lernt. Und interessanterweise ist es ja so, dass es bei der Atomindustrie genau umgekehrt ist – das heißt, die Technologie ist immer teurer geworden und wird nach wie vor immer teurer”, sagt er. “Es gibt einen Analytiker, der nennt das ‘forgetting by doing’ oder eine ‘negative Lernkurve’”. Das Problem beschränke sich keineswegs auf die Projekte aus der Anfangszeit der Atomkraftwerke, sondern habe sich fortgesetzt.

Volkswirtschaftlicher Schaden durch zivile AKW-Nutzung Quelle: WDR-Recherchen
KostenfaktorKosten (mindestens)
AKW-Ruinen (nie oder kaum genutzte Anlagen) 524 Milliarden Dollar
AKW-Katastrophen und Unfälle461 Milliarden Dollar
Gescheiterte Endlager-Projekte17 Milliarden Dollar
Schäden durch Uran-Abbaubetriebe (inkl. Altlasten)16 Milliarden Dollar
GESAMTSUMME1,018 Billionen Dollar

Weitere Fehlschläge absehbar

Und es wird noch weitergehen. Weitere Kandidaten für nukleare Investitionsruinen sind zum Beispiel der so genannte Fusionsreaktor, der vermutlich technisch nie realisiert werden kann, und der EPR-Reaktor in Olkiluoto, der nach fast zehn Jahren Bauzeit immer noch nicht am Netz ist. Auch ist längst nicht gesagt, dass die geschätzten Kosten von 250 Milliarden US-Dollar für die Fukushima-Katastrophe das Ende der Fahnenstange sind.

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